Krimispiele: Akten sichten und Verbrechen aufklären
Ich liebe Geschichten, daher finde ich es spannend, sie auch im Spiel zu erleben. Deshalb habe ich ein Faible für Krimispiele entwickelt, allerdings nur für jene, die wie Ermittlungsakten aufgebaut sind. Sie enthalten Dokumente, Fotos und weitere Materialien, die Hinweise auf den Tatverlauf geben. In welcher Reihenfolge ich mich diesen widme, kann ich weitgehend selbst entscheiden. Zu Beginn des Spiels habe ich also eine Fülle an Informationen vor mir und versuche, diese sinnvoll zu ordnen, Querverweise zu finden, Widersprüche aufzudecken und Zeitabläufe zu rekonstruieren.
Ich suche nach Indizien und stelle Theorien auf

Hidden Games: "Tödliche Überfahrt"
Jedes Element ist wichtig, um die Tat aufzuklären. Manchmal ist ein Hinweis offensichtlich, oft erschließt er sich jedoch erst auf den zweiten oder dritten Blick und in Kombination mit weiteren Indizien. Dadurch bieten Krimispiele eine gute Mischung aus schnellen Erfolgserlebnissen und kniffliger Grübelei. Der Schwierigkeitsgrad bleibt jedoch meist moderat. Ich bin alles andere als gut im Rätseln und konnte bislang alle Fälle erfolgreich abschließen. Wer die Materialien aufmerksam prüft, dürfte in der Regel auf die Lösung kommen, zur Not mit Hilfe der Tipps, die oft auf der Website des Anbieters abrufbar sind. Bei den Hidden Games gibt es Hinweise zu jedem Indiz, bei den Cold Case-Fällen von ThinkFun erhält man im Fall einer falschen Lösung einen Tipp, welche Materialien man sich nochmals genauer anschauen sollte.
Ein Internetzugang ist also auf jeden Fall erforderlich. Bei den Cold Cases benötigt man diesen erst am Ende, um zu überprüfen, ob man die offenen Fragen zum Tathergang richtig beantworten konnte. Ansonsten steht alles, was man zur Lösung braucht, in gedruckter Form zur Verfügung.
Das ist jedoch die Ausnahme. Die meisten Krimispiele enthalten auch digitale Elemente, beispielsweise Mailboxnachrichten, Kameraufzeichnungen oder Websites. Anfangs hatte ich darauf nicht wirklich Lust. Ich verbringe ohnehin viel Zeit am Bildschirm, daher wollte ich nicht auch noch beim Spielen auf das Handy oder den Computer angewiesen sein. Entsprechend hatte ich mich zunächst auf die Cold Cases beschränkt und insgesamt fünf Fälle gespielt. Vier davon würde ich empfehlen: “Eine Prise Mord”, “Eine todsichere Geschichte”, “Mord mit Zinsen” und “Der letzte Zug”. Von “Einchecken zum Mord” war ich hingegen enttäuscht. Die Spurensuche war zwar interessant, aber ich mochte den Fall nicht. Er wirkte auf mich seltsam konstruiert und teilweise nicht plausibel. Das fand ich sehr schade, zumal ich dieses Problem mit anderen Spielen der Reihe nicht hatte.
Irgendwann gab ich den digitalen Elementen doch eine Chance

Hidden Games: "Tödliche Überfahrt"
Und ich habe es nicht bereut, da ich dadurch neue, spannende Fälle kennenlernen durfte. Die Alternative wäre gewesen, irgendwann auf Krimispiele zu verzichten, weil nur wenige Vertreter des Genres auf rein analoge Materialien setzen.
Für meinen ersten Versuch entschied ich mich für "Verliebt, verlobt, verwitwet" aus den Crime Files von Topp. Dies erwies sich als sehr gute Wahl. Das Spiel enthält zwar digitale Elemente, ihr Anteil ist jedoch eher gering. Die meiste Zeit war ich mit Dokumenten, Fotos und anderen haptischen Beweisstücken beschäftigt, so wie ich es von den Cold Cases kenne und liebe. Das kam meinen Vorlieben sehr entgegen, und auch der Fall rund um den Tod einer jungen Braut hat mich überzeugt und am Ende sogar überrascht.
Einige Zeit später entdeckte ich in der Bibliothek zwei Fälle von Hidden Games: "Grünes Gift" und "Das Diadem der Madonna". Der digitale Anteil ist hier deutlich größer als bei "Verliebt, verlobt, verwitwet", bewegt sich für mich aber noch in einem angenehmen Rahmen. Ich hatte sogar richtig Spaß daran, Mailboxen abzuhören oder Mails zu senden, um weitere Beweisstücke zu erhalten. Beide Fälle waren spannend, boten die eine oder andere Wendung und erschienen mir insgesamt etwas komplexer als bei den vorher besprochenen Krimispielen.
Meine Begeisterung für die Hidden Games war geweckt
Daher brauchte ich bald Nachschub und fand ihn in der Spieleecke der Buchhandlung meines Vertrauens. Dort standen mehrere Fälle zur Auswahl. Ich entschied mich für "Tödliche Überfahrt", weil mich das Setting auf einer Luxusyacht reizte. Das Spiel ist sehr schön gestaltet, und auch die Idee, Kommissar Hahnke in verschiedene Kabinen schicken zu können, um neue Indizien zu suchen, finde ich grundsätzlich gut. Auch bei "Grünes Gift" hatte ich meine Auftraggeberin bereits durch Chatnachrichten an verschiedene Orte gelenkt. Dort hatte es mich nicht gestört, bei "Tödliche Überfahrt" kam ich aber irgendwann an den Punkt, an dem mir die Online-Recherchen fast zu viel wurden. Die Beweisstücke aus den Kabinen müssen teils per QR-Code abgerufen werden, und auch insgesamt kam mir der Anteil an digitalen Inhalten höher vor als bei den anderen getesteten Hidden Games – für meinen Geschmack etwas zu hoch.
Dennoch hat mir auch dieser Fall insgesamt gut gefallen. Zugleich hat mir das Spiel aber gezeigt, dass mir digitale Elemente zwar Spaß machen, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Sie dürfen vorkommen, sollten für mich aber nur einen moderaten Anteil am Spielgeschehen ausmachen. Bei der Auswahl weiterer Krimispiele werde ich entsprechend recherchieren, ob ein Fall mehr von den haptischen Materialien oder den digitalen Inhalten lebt.
Die Rolle der Detektivin gefällt mir gut
Sie sorgt dafür, dass ich mich nicht ablenken lasse, nicht einmal, wenn ich online bin. Sonst passiert mir das am Handy sehr schnell. Nur kurz eine Nachricht lesen, mal eben etwas googlen, und schon ist eine halbe Stunde vorbei. Wenn ich hingegen in die Rolle der Ermittlerin schlüpfe, zählt nur, was ich für die Lösung des Falls benötige; den Rest des Internets lasse ich links liegen. Ich habe schließlich keine Zeit für Social Media und Co., wenn ich Hinweise finden, Theorien aufstellen, wieder verwerfen und neu entwickeln muss. Jetzt gilt es, ein Verbrechen aufzuklären, alles andere kann warten! Für ein paar Stunden bin ich eine Detektivin, die alles daran setzt, den Fall erfolgreich abzuschließen. Die reale Welt kann wieder an meine Tür klopfen, wenn ich damit fertig bin.
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