„Club der roten Bänder – Die neue Generation“: Ein würdiger Nachfolger
Als ich von der Serie hörte, war ich skeptisch, aber auch neugierig. “Club der roten Bänder” habe ich geliebt und sogar mehrfach geschaut. Die Geschichte um Jugendliche in einem Krankenhaus, die einen Club gründen und einander Halt geben, hat mich tief berührt und meinen Taschentuchverbrauch zeitweise deutlich erhöht. Ich habe die Figuren schnell ins Herz geschlossen, mit ihnen gelitten und getrauert, denn Freundschaft kann vieles, aber keine Wunder bewirken. Zugleich ist die Serie voller schöner, menschlicher Momente, die Hoffnung spenden und zeigen, was Zusammenhalt bewirken kann.
Entsprechend zwiegespalten war ich, als ich auf “Club der roten Bänder - Die neue Generation” stieß. Ein Teil von mir war gehyped, ein anderer hatte Angst davor, enttäuscht zu werden, immerhin lag die Messlatte durch den Vorgänger verdammt hoch. Doch die Neugier überwog, daher habe ich für einen Monat ein Abo von RTL+ abgeschlossen. Dort erschienen die ersten beiden Folgen bereits am 25. August, die letzten beiden am heutigen 8. September. Im Fernsehen sieht es anders aus: Die Ausstrahlung auf Vox beginnt heute um 20:15 Uhr, die weiteren Episoden werden in den Folgewochen ausgestrahlt, jeweils als Doppelfolgen.
Meine Skepsis war unbegründet
Bereits nach wenigen Minuten war mir klar: Die Serie kann was. Sie hat für mich einen ähnlichen Vibe wie der Vorgänger, geht aber eigene Wege, anstatt das Erfolgsrezept nur 1:1 zu kopieren. Auch die Zusammenstellung des Clubs ist eine andere und orientiert sich nicht mehr an Benitos Erklärung, dass man dafür einen Anführer, einen zweiten Anführer, den Schlauen, den Hübschen, den guten Geist und das Mädchen bräuchte.
Dieses Mal sind zwei Mädchen mit dabei: Charlie, die unter einer bipolaren Störung leidet, und die an Leukämie erkrankte Nora. Weitere Mitglieder sind der aufgrund einer Niereninsuffizienz auf Dialysen angewiesene Elias, der nach einer Gehirn-OP erblindete Yannik und Philipp, der mit einer massiven Angststörung zu kämpfen hat. Sie haben keine festen Rollen im Club, und auch die Dynamik zwischen den Figuren ist eine andere. So gibt es bei “Die neue Generation” beispielsweise keinen klaren Anführer, wie es ihn in “Club der roten Bänder” mit Leo gab.
Die Serie findet eine gute Balance zwischen Eigenständigkeit und Fortsetzung
“Die neue Generation” greift den Kern der Geschichte auf: Die Schicksale von Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen für längere Zeit im Krankenhaus sind, dort zueinander finden und einander beistehen. Das läuft nicht immer reibungslos ab. Insbesondere zwischen Yannik und Philipp, die sich aus der Schule kennen, schwelt ein heftiger Konflikt. Auch sonst geraten die Charaktere manchmal aneinander, etwa wenn Charlies Krankheit nicht ernst genommen wird, weil man sie nicht sieht oder Resignation auf Lebensfreude und Optimismus trifft.
Auf die mythische Komponente, die “Der Club der roten Bänder” mit Hugos Schwimmbad hatte, verzichtet “Die neue Generation”, ich habe sie aber nicht vermisst. In der Vorgängerserie fand ich die Idee sehr schön, dennoch gefällt mir, dass hier nicht versucht wurde, etwas Ähnliches zu etablieren. Auch dadurch vermeidet die Neuauflage, nur ein Abklatsch bereits erzählter Geschichten zu sein. Dennoch gibt es immer wieder Referenzen zum ursprünglichen “Club der roten Bänder”. “Die neue Generation” geht einen eigenen Weg und bleibt doch der Vorlage treu. Dass dies so gut funktionieren würde, hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.
Nach dem Finale habe ich Lust auf mehr
“Club der roten Bänder - Die neue Generation” endet nach gerade einmal sechs Episoden. Das ist schade, denn ich hätte gerne noch mehr Zeit mit dem neuen Club verbracht. Der Serie gelingt es ähnlich wie dem Vorgänger, eine große Bandbreite an Gefühlen anzusprechen. Es gibt bewegende, traurige, aber auch wunderschöne und humorvolle Momente. Ich habe mitgefühlt und ein paar Tränen vergossen, aber ich habe auch gelacht. Mal ist die Serie herzerwärmend, dann wieder herzzerreißend, und das auf eine sehr authentische Art, ohne melodramatisch zu werden.
Am Ende des Finales stehen die Club-Mitglieder an wichtigen, entscheidenden Punkten ihres Lebens. Das führt zu einem für mich sehr runden Abschluss, obwohl die letzte Episode mit einem Cliffhanger endet. Ob es danach weitergeht, ist bislang nicht bekannt und dürfte davon abhängen, wie gut “Club der roten Bänder - Die neue Generation” vom Publikum angenommen wird. Ich würde mich jedenfalls sehr über eine weitere Staffel freuen.
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