Nicht mein Beuteschema, aber ich lieb’s: „Royal Blood“ von Aimée Carter
Bibliotheken sind wundervolle Orte, und das aus verschiedenen Gründen. Einer davon ist, dass ich dort manchmal Bücher entdecke, die ich sonst nicht lesen würde, weil sie nicht in mein übliches Beuteschema passen. Wenn ich Bücher kaufe, bin ich sehr wählerisch, in der Bibliothek nehme ich hingegen auch mal etwas mit, das nur nach “Vielleicht ist es ja ganz unterhaltsam” klingt.
Solch ein Buch war für mich “Royal Blood” von Aimée Carter. Ich griff in der Bibliothek spontan danach, und der Klappentext machte mich neugierig genug, um es mitzunehmen. Allerdings war ich unterschwellig davon überzeugt, dass es eines jener Bücher werden würde, die ich kurz anlese und dann wieder zurückbringe.
Ich hätte mich kaum mehr irren können
Tatsächlich hat mich die Geschichte rund um Evangeline Bright, die uneheliche amerikanische Tochter des Königs von England, weitaus mehr gefesselt, als ich es erwartet hätte. Hauptgrund dafür ist die interessante Mischung aus Familiendrama und Kriminalfall.
Zu Beginn von "Royal Blood" ist Evan gerade von einem Internat geflogen. Nun soll sie die Zeit bis zu ihrer Volljährigkeit auf Schloss Windsor verbringen. Davon ist sie alles andere als begeistert. Die Beziehung zu ihrem Vater ist quasi nicht existent, und auch die königliche Familie empfängt sie nicht gerade mit offenen Armen. Als wären das nicht genug Probleme, stirbt kurz darauf ein junger Adeliger bei einer Party. Viele, einschließlich mancher Klatschblätter, sind davon überzeugt, dass Evan dafür verantwortlich ist.
Sie muss also nicht nur mit familiären Spannungen zurechtkommen, sondern auch ihre Unschuld beweisen, unterstützt von dem gleichaltrigen Adeligen Kit. Dabei deckt Evan Hintergründe und Geheimnisse auf, die vieles in ein anderes Licht rücken und die Dynamiken zwischen den Figuren verschieben.
Spannend, ernst und unkitschig
Es ist keine süße, locker-leichte Geschichte im Stil von “Plötzlich Prinzessin”, sondern erinnert mich eher an die Serie “The Royals”, falls die noch jemand kennt. Vielleicht gefiel mir das Buch deshalb so gut. Die Handlung ist eine andere, aber „Royal Blood” hatte für mich einen ähnlichen Vibe.
Teils geht es um schwierige Themen wie sexuelle Übergriffe oder psychische Erkrankungen. Diese werden jedoch jugendgerecht, mit der nötigen Sensibilität und ohne Effekthascherei behandelt.
Der Schreibstil ist flüssig und unterhaltsam und der Spannungsaufbau überaus gelungen. Es kommt bei mir nur selten vor, dass ich ein Buch kaum aus der Hand legen kann und immer noch ein und noch ein und noch ein Kapitel lesen will. Meist nehme ich mir ein paar Stunden Lesezeit, gehe dann aber zu anderen Hobbys über. "Royal Blood" hat es geschafft, dass ich nichts anderes machen wollte, bis ich die letzte Seite verschlungen hatte, und das hat bei mir wirklich Seltenheitswert.
Am Ende des Buches gibt es einen kleinen Teaser auf den Folgeband, dennoch kann "Royal Blood" für sich alleine stehen. Der Todesfall wird aufgeklärt, die wesentlichen Fragen werden beantwortet. Wer sich also nicht gleich auf eine Trilogie einlassen möchte, kann es auch erst einmal mit dem ersten Band versuchen und bekommt trotzdem eine volle, eigenständige Geschichte.
Die Fortsetzungen sind stark
Über Band 2 und 3 zu sprechen, ist kaum möglich, ohne zu spoilern, daher an dieser Stelle nur so viel: Wer “Royal Blood” mochte, dürfte auch von “Royal Scandal” und “Royal Vengeance ” bestens unterhalten werden. Die Lage spitzt sich weiter zu, es wird bedrohlicher und bleibt auch in den Folgebänden durchweg spannend. Allerdings ist "Royal Scandal" nicht gleichermaßen in sich geschlossen wie "Royal Blood". Daher würde ich sagen: Man kann entweder nur den ersten Band lesen oder die gesamte Trilogie, alles andere funktioniert eher nicht.
Wer Band 3 auf Deutsch lesen möchte, muss sich allerdings noch etwas gedulden. Bislang sind nur die ersten beiden Bände im One-Verlag erschienen. Ich wollte allerdings nicht auf die Übersetzung warten und habe mir “Royal Vengeance” daher auf Englisch als E-Book gekauft.
Habt ihr "Royal Blood" schon gelesen? Hat es euch gefallen? Welches Buch hat euch zuletzt positiv überrascht?
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